Kapitel 4.5
Pianorolle
Die Pianorolle zeigt die Partitur so, wie es Aufnahmeprogramme tun: Die Zeit läuft von links nach rechts, die Tonhöhe von unten nach oben, und jede Note ist ein Balken, so lang wie sie dauert. Damit prüfst du Rhythmen, Lagen und Überschneidungen auf einen Blick, korrigierst Noten durch Ziehen und legst fest, wie stark jede Note bei der Wiedergabe klingt. Alles, was du hier tust, ändert die Partitur, und du siehst es sofort, wenn du zur Seitenansicht zurückkehrst.
Die Pianorolle öffnen
- Wähle Darstellung → Pianorolle (⌥⌘O, unter Windows Strg+Alt+O) oder die dritte Taste der Gruppe Darstellung in der Symbolleiste, neben Seite und Endlos.
- Zurück zur Partitur: noch einmal Darstellung → Pianorolle, Seitenansicht oder Endlosansicht, ⌘E (unter Windows Strg+E) oder Zurück zur Partitur im Kontextmenü.
Die Pianorolle öffnet sich bei dem Takt, den du gerade angesehen hast (oder bei dem der gewählten Note); zurück in der Partitur findest du die gewählte Note oder den Takt wieder, den du in der Pianorolle gesehen hast. In der Pianorolle wird der Navigator ausgeblendet.
Die Pianorolle ist dunkel oder hell wie das Erscheinungsbild des Systems.
Was du siehst
- Links eine Klaviatur, die beim waagerechten Scrollen stehen bleibt: Jedes C trägt seinen Namen (C4 ist das eingestrichene C). Ein Klick auf eine Taste spielt sie mit dem Instrument des Systems mit dem Cursor.
- Oben ein Lineal mit den Taktnummern und den Schlagmarken, das beim senkrechten Scrollen stehen bleibt.
- Die Tastenreihen: dunkler die der schwarzen Tasten, eine Linie unter jedem C. Taktstriche sind kräftiger als Schläge und halbe Schläge, und jeder zweite Takt ist etwas heller.
- Die Noten: ein abgerundeter Balken in der Farbe des Instruments (der im Mixer gewählten oder, wenn du keine gewählt hast, einer eigenen für jedes Instrument), mit dem Notennamen darin, wenn Platz ist. Je lauter die Note, desto kräftiger der Balken. Haltebögen sind schon zusammengefasst: Eine über den Taktstrich gebundene Note ist ein einziger Balken.
- Die Noten des Systems mit dem Cursor liegen über den anderen; die der übrigen Instrumente sind etwas abgeschwächt.
- Unten die Velocity-Spur (siehe Die Stärke der Noten).
Die Takte sind die geschriebenen, einer nach dem anderen: Wiederholungen werden nicht ausgeschrieben. Vorschläge und Stichnoten erscheinen nicht, weil sie keine Zeit einnehmen oder nicht klingen.
Während der Wiedergabe läuft die grüne Linie über die Noten, und auf der Klaviatur leuchten die klingenden Tasten in der Farbe des Instruments auf. Ein Klick auf das Lineal startet die Wiedergabe in diesem Takt (oder springt dorthin, wenn sie schon läuft).
Noten wählen
- Ein Klick auf eine Note wählt sie und spielt sie. Du kannst auch eine einzelne Note eines Akkords wählen.
- Umschalt-Klick fügt eine Note zur Auswahl hinzu oder entfernt sie.
- Ziehen in einem leeren Bereich zeichnet ein Rechteck: Die berührten Noten werden gewählt (mit Umschalt zusätzlich zu den schon gewählten).
- Ein Klick in einen leeren Bereich hebt die Auswahl auf, wie Esc.
- Doppelklick auf eine Note: zurück zur Partitur, mit dieser Note ausgewählt.
Die in der Pianorolle gewählten Noten sind auch in der Partitur und im Inspektor ausgewählt. Wählst du Noten in der Partitur und öffnest dann die Pianorolle, sind sie auch dort gewählt.
Noten bearbeiten
- Verschieben: Ziehe eine gewählte Note (die anderen gewählten folgen) nach oben oder unten, um die Tonhöhe zu ändern, nach links oder rechts, um den Einsatz zu ändern. Beim Ziehen hörst du die neue Tonhöhe.
- Kopieren: Ziehe mit gedrückter ⌥-Taste (unter Windows Strg): Die ursprünglichen Noten bleiben, wo sie sind.
- Verlängern oder verkürzen: Fasse die Note am rechten Rand (der Zeiger wird zu zwei Pfeilen) und ziehe.
- Erzeugen: Doppelklick in einen leeren Bereich. Die neue Note kommt in das System und die Ebene des Cursors, beginnt in dem Rasterfeld, in das du geklickt hast, und ist so lang wie die in der Palette gewählte Dauer (eine Viertel, wenn du keine gewählt hast).
- Löschen: ⌫ oder Entf, oder Noten löschen im Kontextmenü.
Mit der Tastatur, auf die gewählten Noten:
| Taste | Was sie tut |
|---|---|
| ↑ / ↓ | Einen Halbton höher oder tiefer |
| ⇧↑ / ⇧↓ | Eine Oktave höher oder tiefer |
| ← / → | Einen Rasterschritt früher oder später |
| ⌫ / Entf | Löscht die Noten |
| Esc | Hebt die Auswahl auf |
Jede Geste ist ein einziger Schritt für Widerrufen (⌘Z, unter Windows Strg+Z).
Das Raster
Beim Verschieben, Verlängern und Erzeugen rasten die Noten in ein Raster ein, das an jedem Taktstrich beginnt. Du wählst es im Kontextmenü unter Raster: Achtel, Sechzehntel (am Anfang) oder Zweiunddreißigstel.
Wie daraus Notation wird
Jede Änderung schreibt nur die betroffenen Takte neu in Notation (erweitert, wenn eine gebundene Note den Taktstrich überquert). Noten, die bleiben, wo sie waren, behalten Schreibweise, Artikulationen und Liedtext; neue werden in der Tonart des Takts geschrieben, und Haltebögen über Taktstriche, Pausen und punktierte Werte entstehen von selbst. Eine Note, die hinter dem letzten Takt enden würde, wird gekürzt. Auch Vorschläge bleiben, vor der Note, die an derselben Stelle einsetzt (löschst du sie, verschwinden sie mit ihr), ebenso auf dem Nachbarsystem notierte Noten, Stichnoten und N-tolen (Quintolen, Sextolen, verschachtelte N-tolen), deren Rhythmus die Änderung nicht verändert: Die Tonhöhen einer Quintole kannst du ändern.
Einiges übersteht die Pianorolle nicht, und das solltest du wissen:
- Verschiebst du eine Note einer N-tole zeitlich oder fügst eine hinein, wird die N-tole im normalen Raster neu geschrieben (Triolen bleiben Triolen). Eine verschobene Note vom Nachbarsystem kehrt auf ihr eigenes zurück.
- In einer Ebene können sich zwei Noten nicht überlappen: Verlängerst du eine Note bis zum Einsatz der nächsten, endet sie dort. Für zwei sich kreuzende Stimmen nimm zwei Ebenen.
Die Stärke der Noten (Velocity)
Die Velocity-Spur, unten in der Pianorolle und beim Scrollen fest, hat für jede Note am Einsatz einen Strich: Je höher er ist, desto lauter die Note (von 1 bis 127; die Linien markieren 32, 64 und 96). Ein hohler Punkt bedeutet, dass die Stärke aus der notierten Dynamik kommt (p, mf, f, Gabeln, Akzente); ein gefüllter, dass du sie festgelegt hast.
- Ziehe einen Strich nach oben oder unten, um die Stärke dieser Note zu ändern. Sind mehrere Noten gewählt, ändern sich beim Ziehen eines ihrer Striche alle um denselben Betrag.
- Ziehe in einem leeren Bereich der Spur, um zu zeichnen: Die überquerten Noten bekommen die Stärke der Mausposition. So formst du am schnellsten ein Crescendo oder nimmst eine Begleitung zurück.
- Doppelklick auf einen Strich oder Velocity aus der Dynamik im Kontextmenü der gewählten Noten: Die Note folgt wieder der Dynamik.
- Velocity-Spur im Kontextmenü blendet die Spur aus oder ein.
Die festgelegte Stärke gilt nur fürs Anhören: Wiedergabe, MIDI-Export und Audio. In die Partitur wird nichts geschrieben, und sie ersetzt sowohl die Dynamik als auch den Wiedergabestil. Sie wird in der .maestro-Datei gespeichert und bleibt bei der Note, wenn du sie verschiebst, kopierst oder transponierst; bei Tremoli und Verzierungen zählt die Stärke der höchsten Note. Ältere Versionen von Maestro öffnen die Datei, ignorieren sie aber. In MusicXML-Dateien wird sie an die Noten geschrieben (das Attribut dynamics, das andere Programme für die Wiedergabe nutzen können), und Maestro findet sie beim erneuten Öffnen wieder; aus MusicXML anderer Programme wird sie nicht gelesen, weil sie dort die Dynamik ersetzen würde. In Finale-Dateien wird sie nicht übernommen.
Die Noten, wie sie klingen
Über den notierten Noten zeigt die Pianorolle auch, wie die Wiedergabe sie tatsächlich spielt, wo es anders ist: schmale Streifen im unteren Teil der Zeile, in der Farbe des Instruments. So siehst du das Staccato (ein kürzerer Streifen im Balken), Triller, Mordente und Tremoli (viele kurze Streifen auf den Nachbarzeilen), Vorschläge (ein kurzer Streifen vor der Note), Arpeggien (die Noten setzen nacheinander ein), Swing und den für die Partitur gewählten Wiedergabestil. Wo eine Note so klingt, wie sie notiert ist, gibt es keinen Streifen.
Die Streifen dienen nur zum Ansehen: Man kann sie weder wählen noch verschieben. Noten wie gespielt im Kontextmenü blendet sie aus oder ein.
Schlagzeug
Zeigt die Pianorolle nur Schlaginstrumente (zum Beispiel, wenn du die Schlagzeugstimme unter Darstellung → Stimmen oder im Menü Partitur und Stimmen der Symbolleiste wählst, oder wenn die Partitur nur Schlagzeug enthält), wird sie zum Schlagzeug-Editor: Statt der Klaviatur gibt es eine Zeile für jeden Klang des Instruments (Bassdrum, Snare, geschlossene Hi-Hat …), mit der Bassdrum unten wie im System.
- Ein Klick auf den Namen einer Zeile spielt den Klang.
- Ziehst du eine Note nach oben oder unten, oder mit ↑ und ↓, wechselt sie zum Klang der benachbarten Zeile.
- Alles andere funktioniert wie bei den anderen Instrumenten: Doppelklick für einen neuen Schlag, das Raster, die Velocity-Spur für Akzente und Ghost Notes.
Ist das Schlagzeug zusammen mit anderen Instrumenten zu sehen, bleibt die Pianorolle die normale, aber auf seinen Noten steht der Name des Klangs statt des Notennamens.
Zoom
Der Zoom des Fensters (⌘+, ⌘-, ⌘0) vergrößert alles gemeinsam. In der Pianorolle kannst du Zeit und Tonhöhe auch jeweils für sich zoomen, um viele Takte zu sehen, ohne dass die Tastenreihen dünn werden:
| Mac | Windows | |
|---|---|---|
| Zeit-Zoom | ⌥+Mausrad, oder ⌥ und Zusammenziehen auf dem Trackpad | Alt+Mausrad |
| Tonhöhen-Zoom | ⌥⇧+Mausrad | Strg+Alt+Mausrad |
Der Punkt unter der Maus bleibt stehen; Klaviatur, Lineal und Velocity-Spur ändern sich nicht. Im Kontextmenü haben Zeit-Zoom und Tonhöhen-Zoom auch Vergrößern, Verkleinern, Originalgröße und Ganzes Stück in die Breite einpassen (oder Alle Tasten in die Höhe einpassen), das die Pianorolle ans Fenster anpasst. Jedes Fenster merkt sich seinen Zoom, und neue beginnen mit dem zuletzt gewählten.